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Hans-Jürgen Bäumler „Ich bin froh, dass alles ist, wie es ist“

Hans-Jürgen Bäumler wurde Ende der 1950er- und Anfang der 1960er- Jahre zusammen mit seiner Partnerin Marika Kilius im Paarlauf weltberühmt. Als Eiskunstläufer hat er 25 Jahre seines Lebens in ganz speziellen Schuhen verbracht. Hans-Jürgen Bäumler ist ein Mann, der Sportgeschichte geschrieben hat. Und auch heute wird er von seinem Publikum gefeiert. Nach seiner Eissportkarriere trat er als Schlagersänger und Moderator in Erscheinung und machte sich darüber hinaus ab 1964 als Schauspieler einen Namen. Mit seiner Frau lebt er seit vielen Jahren glücklich in Südfrankreich.

Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler galten als das deutsche Traumpaar auf dem Eis. Sie waren sechsmal in Folge Europameister, zweimal Weltmeister und holten zweimal olympisches Silber für Deutschland. „Marika Kilius suchte damals einen neuen Eislaufpartner und ich hatte das Glück, sie zu bekommen. Zwei Jahre später waren wir bereits Deutscher Meister. Der Erfolg hat uns quasi überrollt. Ich war kein ausgebildeter Paarläufer und auch von der Statur her eher zu schmächtig, doch es ging.“ In Gesprächen mit Hans-Jürgen Bäumler ist man automatisch von seiner natürlichen und bescheidenen Art beeindruckt. Nach dieser beachtlichen Karriere stellt sich unweigerlich die Frage, ob damit ein sehnlicher Kindheitswunsch in Erfüllung gegangen ist? „Der Eiskunstlauf war der Traum meiner Mutter und sie war von meinem Talent überzeugt. Damals waren die Winter in Deutschland noch so kalt, dass vor meiner Schule jedes Jahr eine Eisbahn angelegt wurde und dort bin ich immer gelaufen. Eines Tages bekam ich dann auch Eiskunstlaufschuhe geschenkt. Und den Rest kennen Sie ja.“

Besondere Leistungen
Als der Eisprinz seine Schlittschuhe an den „berühmten Nagel“ hängte, ruhte sich Hans-Jürgen Bäumler nicht etwa auf seinen wohlverdienten Lorbeeren aus, nein, er startete in seine zweite erfolgreiche Laufbahn als Schlagersänger und Moderator. Im Jahr 1964 machte er sich zusätzlich als Schauspieler einen Namen. Wie sehen Sie rückblickend Ihre erfolgreiche Zeit als Sportler? „An die Erfolge denke ich schon zurück. 2011 wurde ich in die
Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Mit der Aufnahme werden Sportler geehrt, die besondere Leistungen vollbracht haben und ein Beispiel für Deutschland sind, was eine große Ehre für mich ist. Darüber hinaus gibt es für Marika Kilius und mich jeweils eine eigene Briefmarke - wer kann das schon von sich behaupten?“ Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihrer früheren Eislaufpartnerin? „Marika und ich waren 25 Jahre lang beruflich miteinander verbunden und befreundet. Heute sehen wir uns hin und wieder. Im letzten Jahr haben wir uns auf dem Deutschen Sportpresseball in der Alten Oper Frankfurt gesehen. Das Motto lautete ‚Fire and Ice‘ und wir vollzogen zwei Walzerdrehungen, was nur ein paar Sekunden gedauert hat, doch wir wurden mit Standing Ovations gefeiert. Der Applaus hat uns echt vom Hocker gerissen, es war ein wirkliches Gänsehaut-Gefühl. Die damalige Popularität ist eindeutig erhalten geblieben.“

Sprecher, Moderator und Schauspieler
Im Jahr 1965 erhielt Hans-Jürgen Bäumler als Sänger den „Bronzelöwen“ von Radio Luxemburg und war dort anschließend zwei Jahre als Sprecher und Moderator beschäftigt. Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und seinem Sprachstudium folgte 1968 sein erstes Engagement am Heidelberger Theater in „Tangente“ mit Edith Hancke und Waltraut Haas. In zwölf Spielfilmen war er unter anderem als Partner von Paul Hörbiger, Johanna Matz, Terence Hill, Heinz Erhardt, Uschi Glas, Theo Lingen und Gunther Philipp zu sehen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch seine Rolle in der erfolgreichen Serie „Salto Mortale“. Der Revuefilm „Die große Kür“ wurde sogar mit der Auszeichnung „Goldene Leinwand“ geehrt. Darüber hinaus ist er Träger des „Silbernen Lorbeerblattes“, der höchsten zu verleihenden sportlichen Auszeichnung in Deutschland. Ferner verlieh ihm die deutsche Sportpresse „Das goldene Band der Sportpresse“. In folgenden Theaterstücken war Hans-Jürgen Bäumler in den letzten Jahren zu sehen: „Wirst du mich auch morgen früh noch lieben?“, „Es war nicht die Fünfte, es war die Neunte“, „Bleib doch zum Frühstück“ und „Kunst“. Mit der Inszenierung „Zärtliche Machos“ ging der vielseitige Künstler in der letzten Theatersaison auf Deutschlandtournee und das Ensemble wurde allabendlich mit Standing Ovations gefeiert. „Das habe ich noch nie erlebt, auch meine Kollegen nicht. Es war eine dreimonatige Spielzeit geplant, dann wurden sieben Monate daraus. Jede Vorstellung war restlos ausverkauft. Es ist schön, sein Publikum zu haben. Oft heißt es, wenn der Bäumler mitspielt, dann wird es ein lustiges Stück. Jetzt habe ich erst einmal Pause, die ich natürlich zu Hause in Südfrankreich mit meiner Frau verbringe. Im September geht es dann in Braunschweig mit der Komödie „Zwiebeln und Butterplätzchen“ weiter. Ich spiele zum ersten Mal einen schüchternen und verklemmten Mann, der keine Frau abkriegt. Insgesamt wollen wir mit dem Stück in acht Städten auftreten.“ Gibt es noch berufliche Pläne, die Sie verwirklichen möchten? „Ich werde nächstes Jahr 73 Jahre alt. Pläne mache ich keine, auch wenn ich Angebote bis ins Jahr 2016 habe. In meinem Leben habe ich viel gemacht und ich bin froh, dass alles ist, wie es ist.“

Arbeit ist genug da
„Ich habe alles. Mit meiner Frau lebe ich in Südfrankreich, in einem Land, in dem andere Leute Urlaub machen. Wir haben unseren eigenen Pool, sind von der Sonne verwöhnt und von Palmen umgeben.“ Was hat Sie in die Provence verschlagen? „Alle neuen Eis-Shows wurden damals in Nizza einstudiert und für diese Zeit mietete ich mir eine Wohnung, was immer recht kostspielig war. Da es meiner Frau und mir hier schon damals gut gefallen hat, haben wir uns schließlich eine Wohnung gekauft und die Sommermonate immer in Südfrankreich verbracht. Später hat es unseren Kindern auch so gut gefallen, dass unsere Söhne hier die International School besucht haben und mehrsprachig aufgewachsen sind. Heute bin ich zweifacher Opa und es ist schön zu sehen, wie das Leben weitergeht, wenn man älter wird.“ Sie führen ein abwechslungsreiches und aktives Leben, wie halten Sie sich fit? „Das fragen mich viele. Woher wissen Sie, dass ich fit bin? (Lacht) Ich sage dann immer, dass ich alle Sportsendungen im Fernsehen anschaue. Nein, im Ernst: Wir haben ein großes Grundstück und noch mache ich alles selbst. Die Grundstücke haben hier schon andere Dimensionen. Mit Bäume schneiden bin ich beispielsweise Tage beschäftigt und hinzu kommt die Feigen- und Olivenernte. Vor einiger Zeit haben wir unser eigenes Öl hergestellt, was sehr viel Arbeit bedeutete. Ich muss sagen, der häufig teure Ladenpreis ist wirklich gerechtfertigt. Arbeit ist genug da, die mir auch Spaß macht. Stehe ich morgens auf, muss ich mir keine Beschäftigung suchen. Wenn ich am Tag zwei bis drei T-Shirts durchschwitze, frage ich mich, wie viel Zeit ich dafür im Fitnesscenter aufbringen müsste, mit muffigen Matten und stickiger Luft. Hier bin ich an der frischen Luft und habe eindeutig die bessere Wahl getroffen. Wir haben das Glück, unser Leben wirklich zu genießen.“

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