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Passend essen für ein langes und gesundes Leben Schöne Jahre hat beim Experten nachgefragt

Diabetes vom Typ 2, Gicht, Osteoporose, Rheuma oder eine Fettleber: Im Laufe des Lebens verändern sich die Essgewohnheiten und mit ihnen auch der Körper. Was ist dran an Empfehlungen, dass sich durch Essen so manche Erkrankung vermeiden oder deutlich verbessern lässt? Schöne Jahre hat dazu bei Dr. Matthias Riedl, ärztlicher Direktor des medicum Hamburg und bekannt aus der Serie "Die Ernährungs-Docs" (NDR, WDR), nachgefragt.

 

Schöne Jahre: Herr Dr. Riedl, in Ihrem neuen Buch zum Thema artgerechte Ernährung schrei­ben Sie, dass 80 Prozent aller Krankheiten sowie 40 Prozent der Krebsfälle durch einen nicht angepassten Lebensstil entstehen. Wie erklären Sie das?

Dr. Riedl: Unser Lebensstil mit wenig Bewegung, regelmäßigem Alkohol, Rauchen, zu viel schlechten Fetten, Zucker, Weißmehlprodukten und Fertig­gerichten macht auf Dauer einfach krank. Es ist unglaublich, aber wahr, dass durch individuelle Umstellung beim Essen tatsächlich die meisten Be­schwerden gar nicht in dieser Häufigkeit auftreten würden.

 

Schöne Jahre: Artgerechte Ernährung – was kön­nen sich unsere Leser darunter vorstellen?

Dr. Riedl: Das ist im Grunde simpel. Es gibt für sämtliche Tiere eine spezielle Ernährung. Wenn sie diese nicht bekommen, werden sie krank. Beispielsweise Koala-Bären: Bekommen sie keine Eukalyptusblät­ter, ist ihr Leben kürzer. Der Mensch ist da bedeutend flexibler, kann sich an unterschiedliche Nahrungsange­bote anpassen und gewöhnen. Prak­tisch ist heute in unserer Zivilisation, das Riesenangebot von Fertigprodukten in Supermärkten und Bäckereien. Doch die meisten Dinge, die hier zur Wahl stehen, braucht der menschliche Körper nicht wirklich. Mehr noch – sie machen auf Dauer schleichend krank

 

Schöne Jahre: Was ist denn so falsch an unserem Essen?

Dr. Riedl: Da müssen wir etwas weiter zurück­schauen. Vor rund zwei Millionen Jahren war der Mensch noch ein reiner Pflanzenesser. Es gab über­wiegend Wurzeln, Blätter, Nüsse und Früchte. Statt auch heute noch jeden Tag reichlich pflanzliche Lebensmittel zu essen, gibt es große Fleischmengen und dazu leider kümmerliche Gemüseportionen. Es wird dauernd irgendetwas gesnackt wie Gebäck, Wurst, Chips, Fruchtgummi oder Schokolade. Das kann nicht gesund sein. Wichtig ist allerdings das Thema Eiweiß, insbesondere mit steigendem Alter. Denn jetzt geht zunehmend Muskelmasse verloren und es gilt, diese so gut wie möglich zu erhalten. Dazu macht es wenig Sinn, die Empfehlungen von 1 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht überwiegend aus Fleisch und Wurst zu essen. Pflanzliche Lieferanten wie Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorngetreide sollten die erste Wahl sein. Beim Fleisch heißt es, die Menge von einem Pfund pro Woche nach Möglichkeit nicht zu überschreiten. Zum Eiweiß empfiehlt sich eine bestimmte Menge an Kohlenhydraten, die ausschließlich als Energie für körperliche Aktivitäten nötig ist. Über diesen Bedarf hinaus braucht der Körper keine zusätzli­chen Kohlenhydrate. Gemüse ist wichtig, und das so oft und so viel, wie es geht. So bekommt der Körper satt machende Ballaststoffe und ganz besonders wichtig: sekundäre Pflanzenstoffe, die antientzünd­lich und antibakteriell wirken.

 

Schöne Jahre: Sie sehen täglich viele Menschen in Ihrer Praxis. Was sind häufige Beschwerden und was empfehlen Sie dann?

Dr. Riedl: Viele kommen zu uns, weil sie sich nicht wohlfühlen. Sie sind antriebslos, geschafft, müde, haben eine schlechte Grundstimmung, und das häufig über Jahre. Wir ändern dann gemeinsam mit dem Patienten ledig­lich 20 Prozent der Essgewohnheiten. Ein Garant dafür, dass sie auf Dauer am Ball bleiben. Wer endlich sei­nem individuellen Bedarf entspre­chend isst, wird sich nach kleinen Veränderungen weitaus fitter und leistungsfähiger fühlen. Kürzlich kam eine 60-jährige Dame mit einer chroni­schen Parodontitis zu mir. Wir stellten ein paar Dinge bei ihrem Essen um und binnen eines halben Jahres war sie beschwerdefrei. Sie sagte mir, dass sie sich dadurch körperlich und geistig wie eine junge Frau fühle.

 

Schöne Jahre: Thema Zucker: Wie schafft man es, weniger davon zu essen?

Dr. Riedl: Früher gab es keinen Zucker in der Form wie heute. Praktisch braucht der Mensch ihn überhaupt nicht. Doch es ist in unseren Breitengra­den kaum möglich, komplett darauf zu verzichten. Deshalb sind die empfohlenen Mengen von 25 bis 50 Gramm Zucker als Höchstgrenze sinnvoll. Das setzt allerdings voraus, dass man genau darauf achtet, was man isst. Wichtig ist es, Stück für Stück den Zuckerkonsum zu drosseln. Dabei gilt es zu überlegen, wann, warum und in welcher Menge er gegessen wird? Und wieviel Gewohnheit steckt dahinter? Häufig hat der ständige Zuckerkonsum seinen Ursprung darin, dass viele nicht richtig satt sind. Wer sich bei den empfohlenen drei Haupt­mahlzeiten richtig satt isst, hat in der Regel gar kein Bedürfnis, Zucker als Snack zu essen. Was Obst betrifft, sind zuckerreiche Sorten wie Trauben, Bananen und Birnen wenig sinnvoll. Bes­ser eignen sich sämtliche Beeren und Äpfel.

 

Schöne Jahre: Beim Typ-2-Diabetes ist häufig Übergewicht ein großes Problem. Wie motivie­ren Sie Betroffene, gesund und langfristig abzu­nehmen?

Dr. Riedl: Wir erklären, dass es sich bei ihrem Typ-2-Diabetes zwar um eine chronische Erkran­kung handelt. Trotzdem hat jeder selbst zu einem Großteil in der Hand, ob und wie sich diese Stoff­wechselerkrankung für ihn künftig entwickelt. Das ist bedeutend besser, als zu sagen: Es ist eine unheilbare Krankheit und über kurz oder lang folgt die Insulinspritze. Dann ist die Motivation zum Gewichtsverlust gleich null. Wenn ich aber erkläre, dass allein durch einen gesunden und langsamen Gewichtsverlust von 15 Kilo die Chance, den Di­abetes zu besiegen bei etwa 86 Prozent liegt, ist die Bereitschaft und Motivation um ein Vielfaches höher. Und dabei fast immer von Erfolg gekrönt. Es gibt hier keine Diät, wir ändern auch hier lediglich 20 Prozent der individuellen Ernährungsgewohn­heiten.

 

Schöne Jahre: In den letzten Jahren hört man immer wieder, wie ungesund eine Fettleber ist. Wie entsteht sie und was hilft, damit sie wieder gesund wird?

Dr. Riedl: Es ist leider nicht nur die Leber, die verfettet, sondern alle Organe, allerdings die Leber besonders. Das kann sich ganz schnell entwickeln, zum Beispiel bei Schlemmertagen im Urlaub oder an Weihnachten. Allerdings ist dieser Zustand reversibel, wenn nach Tagen mit üppigem Essen bewusst weniger gegessen und zum Beispiel In­tervallfasten praktiziert wird. Hungerpausen sind für sämtliche Vorgänge im Körper ganz wichtig. Es müssen einfach Pausen zwischen den Hauptmahl­zeiten gemacht werden, sonst ist der Körper perma­nent mit der Verarbeitung von Nahrung beschäftigt. Ferner ist es wichtig, den Fruchtzuckergehalt in der Nahrung im Auge zu behalten. Also zuckerreiche Früchte wenig essen und auf die Zutatenlisten von Lebensmitteln schauen, ob und wie viel Fruchtzu­cker enthalten ist. Zudem spielt es eine Rolle, ob Fruchtzucker zu den Hauptmahlzeiten oder dazwi­schen gegessen wird. Sinnvoll ist es deshalb, das Stück Obst direkt zur Hauptmahlzeit zu essen und nicht als Snack.

 

Schöne Jahre: Eine typische Stoffwechsel-erkrankung, besonders bei Männern im Alter, ist Gicht. Worauf gilt es hier zu achten?

Dr. Riedl: Meistens haben Menschen, die erhöhte Harnsäurespiegel haben, gleichzeitig Überge­wicht. Hier lohnt es sich, mit einer gesunden und abwechslungsreichen Lebensmittelauswahl, kom­biniert mit viel Gemüse, das Gewicht langsam zu reduzieren. So bessert sich meist automatisch auch der erhöhte Harnsäurespiegel.

 

Schöne Jahre: Thema Osteoporose: Worauf kommt es an, wenn keine Milchprodukte vertra­gen werden?

Dr. Riedl: Hier bieten sich besonders grüne Gemü­se und frische Kräuter an. Zudem sind Mandeln und sämtliche andere Nüsse sehr kalziumreich. Und nicht zu vergessen hilft es, täglich mindestens anderthalb Liter kalziumreiches Mineralwasser zu trinken und sich regelmäßig zu bewegen.

 

Schöne Jahre: Was machen Patienten mit Rheu­ma oder Arthritis im Hinblick auf ihr Essen häufig falsch?

Dr. Riedl: Wenn ich nachfrage, was auf den Tisch kommt, sind es häufig Zucker, rotes Fleisch und Wurst, das ist hier besonders ungünstig. Auch hier bieten sich Gemüse und dazu Omega-3-Fettsäuren aus Fisch an. Allerdings dauert es schon seine Zeit, bis der Körper entsprechend reagiert, also es erfordert etwas Geduld. Aber wenn Menschen Stück für Stück spüren, wie sie sich körperlich wieder deutlich besser fühlen und auf einmal auch wieder beweglicher sind, bleiben sie dabei.

 

Schöne Jahre: Gibt es ein Rezept zur Vorbeugung von Demenz?

Dr. Riedl: Es gibt Hinweise, dass sekundäre Pflanzenstoffe, allen voran Flavonoide zum Beispiel aus Zitrusfrüchten, und auch Omega-3-Fettsäuren günstige Wirkungen haben können. Es macht also zur Vorbeugung auch hier Sinn, täglich frisches Gemüse und Obst zu essen sowie Fisch und Nüsse. Und ein Leben lang soziale Kontakte zu pflegen ist eine gute Demenzprophylaxe.

 

Schöne Jahre: Kann man sich durch gesundes Essen auch vor Krebs schützen?

Dr. Riedl: Ein Stück weit schon. Empfehlenswert ist es, maximal 500 Gramm rotes Fleisch in der Woche zu essen, besser natürlich weniger. Besonders negativ ist Wurst, also davon so wenig wie möglich. Für die Darmgesundheit sind Ballaststoffe enorm sinnvoll. Außerdem bieten sekundäre Pflanzenstoffe einen idealen Krebsschutz. Die gibt es geballt in Gemüse und Obst, allen voran Broccoli und Beeren.

 

Schöne Jahre: Zu guter Letzt: Was ist Ihr Lieblingsessen?

Dr. Riedl: Aus der heimischen Küche mag ich besonders gerne Lauchsuppe und Grünkohl, wobei ich von der Wurst nur ein kleines Stückchen esse. Und gerne asiatisch wie Hähnchen mit Gemüse und Cashewnüssen oder Sushi - lecker.

Herr Dr. Riedl, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

 

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