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Der letzte Köhler

Hier draußen im Wald, irgendwo bei Münzdorf nahe Hayingen im Herzen des Biosphärengebietes Schwäbische Alb, wird alljährlich ordentlich Kohle gemacht – nicht im übertragenen, sondern im rein wörtlichen Sinne.

Alle Welt grillt gerne traditionell mit Holzkohle, die man im Bau- oder Supermarkt bekommt, sonntags auch an der Tankstelle. Wo aber dieses rußige Zeug herkommt und wie es gewonnen wird, darüber machen wir uns weit weniger Gedanken als über das, was wir auf den Rost legen und die Beilagen dazu. Dabei hat das Produkt Holzkohle eine lange Geschichte und war von elementarer Bedeutung für die weltweite Industrialisierung – nur damit erreichte man die zur Eisenschmelze erforderlichen Temperaturen.

Rein wirtschaftlich ist die Herstellung von Holzkohle kein nennenswerter Faktor mehr und gilt nach zahlreichen chemischen Prozessen, in denen dem Holz nahezu alle wichtigen Stoffe entzogen wurden, eher als Abfallprodukt mit relativ geringem Heizwert. Anders diese Holzkohle, die hier seit 1860 in traditioneller Weise gewonnen wird: In Kohlemeilern nämlich, wo jeweils um die 30 Raummeter überwiegend Buchenholz eine gute Woche lang verschwelen, Tag und Nacht sorgsam überwacht von einem Köhler. „Man braucht vor allem viel Erfahrung“, verrät Georg Geiselhart, der seit 1967 in vierter Generation neben seinen Meilern übernachtet. „Du musst immer dabei bleiben und schauen, was die Glut macht. Das sieht man nur an der Farbe und am Druck des Dampfes, der aus den Belüftungslöchern, den sogenannten „Pfeifen“ austritt. Wenn durch Hohlräume zu viel Luft einströmt und er zu brennen anfängt, war alles umsonst.“ Damit ist die mühevolle Arbeit gemeint, die große Menge gespaltenen Holzes funktionell richtig aufzuschichten und sorgsam mit genau definierten Schichten aus Erde, Gras und altem Kohlenstaub abzudecken.

Gut eine Woche nach dem Anzünden strömen die Gäste erneut zur Kohlplatte, wo in dieser Zeit geradezu Festatmosphäre herrscht mit Verköstigung bei geselligem Beisammensein. Auch zahlreiche freiwillige Helfer/innen haben sich in aller Frühe schon eingefunden, denn heute ist der Tag, an dem der Meiler „ausgezogen“ wird. Dann zeigt sich, was sich die letzten Tage und Nächte in seinem Inneren abgespielt hat und ob Georg Geiselhart und sein Nachfolger Frank Heideker gute Arbeit geleistet haben. Mit speziellen Harken wird der Meiler jetzt zum Ernten und Abkühlen auseinander gezogen, und immer stehen dabei Helfer mit Gießkannen bereit, um eventuelle Glutnester schnell zu löschen, bevor sie an der Luft Feuer fangen. Etwa 20 Säcke à 10 kg lassen sich pro Meiler gewinnen, Holzkohle von bester Qualität mit weit höherem Brennwert als industrielle Produkte. Kein Wunder, dass die meist vorbestellten Säcke schnell vergriffen sind, kaum dass die Kohle erkaltet ist. Wegen der stetig steigenden Nachfrage haben sich die Münzdorfer Köhler entschlossen, in diesem Jahr noch einmal einen Meiler zu aktivieren – Mitte Oktober soll es noch einmal dampfen (nicht rauchen!) im Wald irgendwo auf der Mittleren Alb.

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