Ein Lebenselixier für die Schilddrüse      

Jod ist für den menschlichen Körper von zentraler Bedeutung. Gerade für die Schilddrüse ist das Spurenelement quasi die treibende Kraft. Sie befindet sich im vorderen Halsbereich, unterhalb des Kehlkopfes. Ohne eine gut funktionierende Schilddrüse tut sich in unserem Körper in puncto Stoffwechsel recht wenig.   

Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin und hat unter anderem erheblichen Einfluss auf den Energiestoffwechsel, den Herzrhythmus, den Blutdruck, das Wachstum sowie auf unsere körperliche und geistige Entwicklung. Darüber hinaus sind diese Hormone für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit verantwortlich. Bekommt der Körper nicht die von ihm benötigte Menge an Jod, treten nach einer gewissen Zeit Stoffwechselstörungen auf. Bei Jodmangel werden zunächst die Jodreserven in der Schilddrüse angezapft. Sind diese Vorräte verbraucht, verringert sich die Bildung der Schilddrüsenhormone und eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann die Folge sein. Der Jodmangel kann sogar zu Organveränderungen führen, eine Kropfbildung ist dann nicht mehr auszuschließen. Unter einem Kropf (Struma) ist eine durch Jodmangel entstandene Wucherung der Schilddrüse zu verstehen.

Leichte bis mäßige Schilddrüsenvergrößerungen werden häufig nicht wahrgenommen, stellen aber dennoch ein gesundheitliches Problem dar. Bestehen Jodmangelstrumen über einen längeren Zeitraum, können sich sogenannte heiße oder kalte Knoten bilden. Heiße Knoten führen zu einer unkontrollierten Schilddrüsenhormonproduktion. Kalte Knoten sind im Hinblick auf die Hormonbildung inaktiv, jedoch verändern sich rund 5 Prozent der kalten Knoten bösartig. Jährlich werden in Deutschland nach Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung im Schnitt 5.000 Fälle von Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Erste Anzeichen für einen Jodmangel sind ständige Müdigkeit, Antriebsschwäche oder auch trockene Haut.

Jodprophylaxe: eine Maßnahme mit gesundheitlichem Nutzen
Der Jodbedarf des Körpers wird in erster Linie durch die Schilddrüsenhormonbildung gedeckt, die je nach Alter und Stoffwechselsituation variiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät Jugendlichen und Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 51 Jahren zu einer täglichen Jodzufuhr von 200 Mikrogramm (µg). Erwachsene ab dem 51. Lebensjahr benötigen täglich 180 µg. Der Arbeitskreis Jodmangel macht seit vielen Jahren auf den gesundheitlichen Nutzen der Jodprophylaxe aufmerksam. „In Deutschland erfolgt die Jodaufnahme hauptsächlich über jodiertes Speisesalz“, so Prof. Dr. Thomas Remer. Jedoch kommt das jodierte Salz in der erforderlichen Menge in den meisten Haushalten kaum noch auf den Tisch. Das liegt zum einen daran, dass der Konsum von Fertigprodukten steigt, und zum anderen daran, dass regelmäßig außer Haus gegessen wird. Und genau hier liegt das Problem, denn die Lebensmittelindustrie verwendet überwiegend nicht jodiertes Speisesalz. Jodhaltiges Salz macht in der Regel durchschnittlich weniger als 30 Prozent des Salzkonsums aus. Dieser Prozentsatz reicht jedoch für eine optimale Versorgung nicht aus. Etwaige Befürchtungen hinsichtlich einer Jodüberversorgung seien unbegründet, erläutert Prof. Dr. Remer. „Als Obergrenze gilt bei der Jodaufnahme eine Menge von 500 µg pro Tag. Um diese Menge aufzunehmen, müssten 25 g Salz mit 100%iger Jodierung konsumiert werden, was schon aus Geschmacksgründen nicht realistisch ist.“

Für eine ausreichende Versorgung mit Jod empfiehlt sich neben der regelmäßigen Verwendung von Jodsalz der ein- bis zweimal wöchentliche Verzehr von Seefisch. Ferner sollten vorzugsweise Brot, Backwaren, Käse, Fleisch sowie Fertigprodukte gekauft werden, die mit Jodsalz hergestellt wurden. Durch den zunehmenden Einsatz von jodierten Mineralstoffmischungen bei der Tierfütterung trägt seit einigen Jahren auch Milch zur Deckung des Jodbedarfs bei.